Geschichte Tutorium

Friday, November 25, 2005

Mei erster Essay fürs Geschichtetutorium!!!

Essay zu Durkheim
Welche Spezifika seines Werkes machen Durkheim zu einem wichtigen Einflussgeber der anthropologischen (bzw. sozialwissenschaftlichen) Theorienbildung des 20. Jahrhunderts? Worin bestehen die Neuerungen im Denken Durkheims, die spätere Forschungsrichtungen inspirierten?


Émile Durkheim wurde 1858 in Epinal in Lothringen geboren und entstammte einer jüdischen Familie. Er wurde an der Ecole Normale Supérieure ausgebildet. In seiner Jugend wandte er sich aber vom Judentum ab. Kritiker sind jedoch der Meinung, dass diese Religion Einfluss auf seiner Werke hatte.

1883 veröffentlichte Durkheim sein erstes Hauptwerk "Über soziale Arbeitsteilung". Es geht in diesem Werk darum, wie ein Individuum in der modernen, demokratischen Gesellschaft in Abhängigkeit von der Gesellschaft leben kann.

Durkheim war Professor für Sozialwissenschaften und Pädagogik in Bordeaux und 1902 an der Sorbonne, wo er für den Rest seiner Karriere verblieb. Mitunter war er ein berühmter französischer Soziologe und somit der Gründer der Französischen Soziologischen Schule. Er starb 1917 in Paris an einem Schlaganfall.

Für Durkheim war die Soziologie sowohl ein Programm wie auch eine Wissenschaft. Er war immer der Meinung, dass Erziehung wichtig für die soziale Bildung ist und nicht für die eigene persönliche Entwicklung des Individuums.
Obwohl Durkheim skeptisch gegenüber Kants Werken war, konnte zum Beispiel seine Neigung zu Dichotomien zu ebendiesem Philosophen zurückgeführt werden.
Durkheim lehnte den Darwinismus ab, hatte aber seine eigene evolutionistische Theorie. Außerdem war er auch politisch engagiert. Er lehnt sowohl den „contract sociale“ und eine autoritäre Herrschaft ab.

1896 veröffentlichte er die Zeitschrift „Anneé Sociologique“, die zur Hauptursache Durkheims neuer Soziologie wurde. Dieses Magazin half außerdem mit, die Legitimität der Kultur- und Sozialanthropologie zu begründen. Er hatte großen Einfluss sowohl auf die Soziologie als auch auf die Anthropologie in Frankreich und anderen Staaten.

Nach Durkheim ist der Totemismus die ursprüngliche Form von Religion. Gott ist die Repräsentation der Gesellschaft selbst, in symbolischer Form. Während man Gott verehrt, verehrt man gleichzeitig die Gesellschaft und durch diese, sich selbst als Mitglied dieser Gesellschaft. Später lehnte er seine eigenen Ansätze der Interpretation von Religion ab; dabei verfasste er 1912 sein Werk „The Elementary Form of the Religious Life“.

In der British School wurde Religion generell als Produkt menschlichen Denkens gesehen, weiters als die Psychologie eines Individuums mit dem Schwerpunkt weniger auf Rituale, als auf den Glauben. Durkheim war gegen diesen Ansatz, da jede Generation die selben Erfahrungen bzw. Erlebnisse durchmachen müsste um Religion im Leben aufrecht zu erhalten.

Religion hat vier wichtige Charakteristika: erstens ist es zwanghaft, zweitens ist es allgemein, da die Religion Individuen zusammen bringt, auf die sie einen gewissen Einfluss hat, zumindest äußerlich. Drittens ist Religion traditionell, im Sinne dass sie schon vor dem Individuum existiert hat und es auch überleben wird. Die vierte Charaktereigenschaft von Religion ist, dass die Religion außerhalb des Individuums existiert, was bedeutet, dass es über dem Individuum agieren kann.

Religiöser Glaube und Praxis gab außerdem Informationen über die Werte einer Gesellschaft. Die Praxis verlangte jedoch eine spezielle Gelegenheit. Für Durkheim stellte das Ritual diese Gelegenheit dar.
Durch Rituale wurde Wissen in Macht umgewandelt, wobei für Durkheim im Grunde die Macht der Gesellschaft über das Individuum gemeint war. Symbole die in diesen Ritualen verwendet wurden, verschleierten diese Macht.

Menschen benutzten auch ihre Erinnerungen und zufälligen Ereignisse, wie zum Beispiel den Tod, um festzulegen wann Rituale veranstaltet werden mussten. Diese ist ein Beispiel, wovon Durkheim in seinem Ansatz meint, dass das Soziale im Religiösen seine Interpretation von Totemismus ist.

Das Totem steht für den Klan als Wahrzeichen. Außerdem haben die Mitglieder eine Klans normalerweise eine spezielle religiöse Beziehung zu dem totemistischen Objekt, das in Verbindung mit Ursprungsmythen gebracht wird.

Durkheim legt Wert auf Dichotomien zwischen dem Heiligen und dem Profanen; ein berühmtes Beispiel für seine Fixiertheit auf die menschliche Fähigkeit zu dichotomisieren.
Wenn Religion und Gesellschaft übereingestimmt wären, so müssten, für Durkheim, es auch die Gesellschaft und das Heilige sein.

Nicht wie die Intellektuellen, hat Durkheim Religion nicht als Illusion beängstigter Menschen gesehen. Religion ist ein sozialer Faktor und kann durch andere soziale Faktoren erklärt werden. Durkheim glaubte an das Vorhandensein von logischen Verbindungen zwischen Ideen, die jedoch überprüft werden müssen. Er schrieb diese Ideen 1895 in „Rules of Sociological Method“ nieder.

Evans-Pritchard bemerkte, dass Durkheims Erklärung für Religion am besten zu den früher genannten „closed communities“ passte, wie zu den Aborigines in Austalien.
Obwohl Religion sehr wichtig für Durkheims Theorie war, so war auch die Art der sozialen Struktur von großer Bedeutung.

Gesellschaften mit „organic solidarity“ basierten auf Arbeitsteilung. Gesetzt, dass alle Einheiten in einem Arbeitsteilungssystem spezialisiert sind, dann wären alle notwendig für das Funktionieren des Ganzen. Durkheim betonte, dass die Gesellschaft die Summe der Individuen ist, die zu ihr gehören. Tatsächlich ist der Einzelne in dieser arbeitsteiligen Gesellschaft weniger nützlich, jedoch entwickelt er eine gewisse Ideologie
, die genau das Gegenteil besagt, nämlich den Individualismus. Er stellte fest, dass die Gesellschaft nicht mit biologischen oder psychologischen Begriffe erklärt werden kann.
Im Gegensatz dazu gibt es bei Durkheim den Begriff der „mechanic solidarity“. Der den Zusammenhalt einer Gesellschaft darstellen soll, der auf anderen Werten beruhen soll, wie zu Beispiel die Religion.

Religion kann auch so gesehen werden, dass es eine demonstrierende Funktion besitzt, für die Werte, die den Mitgliedern einer Gesellschaft vermittelt werden sollen. Ein Beispiel dafür greift Durkheim 1897 in seinem Werk „Suicide “auf. Selbstmord ist ein gutes Beispiel, weile er als vollkommen egoistischer Akt angesehen wurde.


Durkheim klassifizierte die verschiedenen Arten von Selbstmord:

„altruistic“ als eine Ausbruch der sozialen Gefühle

„egoistical“ wegen dem Mangel an sozialen Gefühlen
„anomic“ weil die Gesellschaft es nicht schafft, das Individuum zu unterstützen, das an einer Krise leidet.

Das Werk Durkheims hat großen Einfluss ausgeübt, vor allem auf seinen Neffen Marcel Mauss (1872-1950) und den Briten Radcliffe-Brown, der von manchen sogar sein Nachfolger genannt wird. Im Gegensatz zu Mauss ist Durkheim nie auf Feldforschung gegangen, er zählt daher zu der letzten Generation der „armchair“ Anthropologists. Er prägte insbesondere den britischen Funktionalismus mit den berühmten Vertretern Bronislaw Malinowski, Alfred Radcliffe-Brown und den französischen Strukturalismus.

Durkheim hat unterschiedliche Theoretiker wie Pierre Bourdieu oder Georges Bataille beeinflusst. Er beeinträchtigte aber auch stark die Nachwirkungen bedeutender Denker, die mit seiner Theorie nicht übereinstimmten, wie zum Beispiel Arnold Van Gennep.

Weitere bedeutende Werke Durkheims sind:
· 1893 «De la Division du Travail Social»
· 1903 «De quelques Formes Primitives de Classification»


Quellen:

One Discipline, Four Ways; Parkin Kap 2

Grundfragen der Ethnologie, Beiträge zur gegenwärtigen Theoriediskussion; Wolfdietrich, Schmied-Kowarzik, Justin Stagl

Taschenwörterbuch der Ethnologie;Michel Panoff, Michel Perrrin



Tuesday, October 25, 2005

hallo